Pour Over – meine bevorzugte Art der Zubereitung von Filterkaffee

Pour Over Coffee - Foto © Helmut Hackl
Pour Over Coffee – Foto © Helmut Hackl

Melitta Benz hat 1908 mit dem Löschblatt ihres Sohnes und einer Blechdose den ersten Kaffeefilter erfunden. In meiner Jugend hatten wir bei uns daheim auch eine Maschine von Melitta. Dann habe ich mich ein paar Jahrzehnte vom Filterkaffee abgewandt, um ihn als Pour Over Coffee neu zu entdecken. Das Prinzip des Handaufgusses ist wie vor über 100 Jahren. Aber mit ein paar Extrafeinheiten.

Es gibt am Markt einige Produkte, um auf diese Art Kaffee zuzubereiten. Ich habe da einige Filterhalter, Filter und Kannen. Zum Beispiel einen Hario Drip Pot Woodneck mit Stofffilter. Oder einen Kalita Wave Dripper aus Edelstahl. Oder einen Hario V60 Filter aus Kupfer. Oder eine wunderschöne Chemex. Oder ein Fellow Stagg [X] Vakuumsystem. Oder eine schicke Gina. Oder ein Origin Decanter mit integriertem Filter. Oder ein Page Brewer von Saint Anthony. Oder ein Canadiano aus kanadischem Holz. Oder ein Umbra Perk mit Porzellan-Tasse. Oder ein Bialetti Keramikfilter mit acht Ecken.

Pour Over – welcher Kaffee?

Ob die Bohnen für Filterkaffee geeignet sind oder nicht, das steht fast immer auf der Verpackung oben. Für Pour Over eignet sich ausgezeichnet 100% Arabica. Ich mag da süße und fruchtige Geschmackserlebnisse. Da gehört probiert, probiert und nochmals probiert.

Koffeingehalt: Laut einem Labortest von Coffeeness haben 250ml Filterkaffee (15g Bohnen – Handfilter) ca. 185mg Koffeingehalt. Als gesundheitlich unbedenklich gelten 200mg pro Einzeldosis bzw. 400mg pro Tag.

Pour Over – die Zubereitung

• Frisch gemahlene Bohnen sind empfehlenswert – ich erledige das mit einer Handmühle. Der Mahlgrad sollte mittel sein. Ein bisserl gröber als für Espresso. Je nach Filter und Bohnen.

Wichtiger Hinweis: Heißes, aber nicht kochendes Wasser verwenden. So in etwa zwischen 92°C und 95°C. Manche Sorten sogar mit 90°C. Ein wenig Variation ist hier angesagt, damit der persönliche Geschmack bestmöglich getroffen wird.

• Langsam heißes Wasser über den leeren Filter gießen, damit dieser angefeuchtet und ein eventuell vorhandener Eigengeschmack entfernt wird. Positiver Nebeneffekt: Damit wird auch gleich der Behälter darunter erwärmt. Diesen schwenken und das Wasser wieder ausleeren.

Hinweis: Beim Verhältnis zwischen Wasser und Kaffee liege ich bei 16:1 oder 17:1. Das heißt: Für 300ml Wasser reibe ich ungefähr 18 bis 19 Gramm Bohnen. Für meinen Geschmack die passende Menge. Da darf / soll aber jeder selbst herausfinden, was für ihn passt.

• Das Kaffeepulver gleichmäßig in den Filter geben.

• Soviel heißes Wasser langsam aufs Kaffeepulver gießen, bis dieses gleichmäßig befeuchtet ist. Das Pulver quillt nun auf – als Vorfreude auf die kommende Extraktion. Nennt sich “Blooming” und sorgt dafür, dass CO2 entweicht. Etwa 30 Sekunden zusehen und warten.

Tipp: Schon mal von Buono gehört? Das ist eine spezielle Kanne aus Japan, die fürs Aufgießen optimiert ist. Leicht zu erkennen am langen, dünnen, gebogenen Ausgießer. Ich verwende eine Hario Buono und bin vollauf zufrieden damit.

Pour Over Coffee mit Kalita Wave - Foto © Helmut Hackl
Pour Over Coffee mit Kalita Wave – Foto © Helmut Hackl

• Danach das restliche Wasser aufgießen. Ich starte da zuerst in langsamen, ruhigen, kreisförmigen Bewegungen von außen nach innen. Danach schluckweise immer auf die dunklen Stellen. Eine entspannende Zeremonie, bei der Geduld gefragt ist. Nach etwa 2 bis 3 Minuten (gerechnet auf 300ml) sollte das Wasser am Kaffeepulver sein. Nach spätestens 4 Minuten ist dann alles durchgeronnen.
Als ergänzende Information: Langsames Aufgießen mit kreisenden Bewegungen sorgt für einen milderen Kaffee. Bis zum Rand aufgießen und warten, bis alles durchgeronnen ist, macht denn Kaffee vollmundiger. Konstantes Aufwirbeln des Kaffeepulvers sorgt für einen kräftigeren Kaffee. Das zumindest von Profis so bekundet. Herausfinden kann das jeder selbst 😉

Welcher Filter?

Für welche Art des Filters man sich entscheidet, das ist aus meiner Sicht Geschmackssache. Manche schwören auf Baumwolle, andere auf Papier. Bequeme Menschen verwenden einen Permanentfilter. Der Filterhalter selbst sollte aus Edelstahl, Porzellan, Glas oder Kupfer sein. Meine Wortspende dazu: selbst probieren. Und man kann sich ja mehr als eine Art zulegen. So teuer sind die Dinger ja nicht.

4:6 Brühmethode von Testu Kasuya - Foto © Helmut Hackl
4:6 Brühmethode von Testu Kasuya – Foto © Helmut Hackl

Waage als Extratipp

Wer es ganz professionell machen will, der legt sich eine Waage zu. Beispielsweise eine acaia Pearl mit Bluetooth & Apps. Der Ablauf zur Zubereitung ist dann identisch, aber exakter. Man stellt alles auf die Waage und füllt das Kaffeepulver in den Filter. Tara auf 0 stellen und den Timer starten. Ablauf wie gehabt. Sobald die Skala auf 300g steht (bezogen auf 300ml) sollte nach 2-3 Minuten das Wasser komplett im Pulver sein. Und nach 4 Minuten kann der Genuß starten.

Pour Over Coffee mit Hario V60 - Foto © Helmut Hackl
Pour Over Coffee mit Hario V60 – Foto © Helmut Hackl

Lösungen für zwei geschmackliche Probleme

Der Kaffee ist zu bitter. Das kann folgende Gründe haben:
• Das Pulver war zu fein gemahlen.
• Die Menge an Kaffeepulver war zu hoch.
• Das Wasser war noch zu heiß.
• Die Durchlaufzeit hat zu lange gedauert.

Der Kaffee ist zu sauer. Das kann folgende Gründe haben:
• Das Pulver war zu grob gemahlen.
• Die Menge an Kaffeepulver war zu gering.
• Das Wasser war schon zu kalt.
• Die Durchlaufzeit war zu kurz.

Pour Over – mein Fazit

Mir mundet die Zubereitung via Pour Over. Geschmacklich lässt sich da ganz viel herausholen. Daher meine Anregung: selbst ausprobieren!

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